Die Patientenverfügung

Was ist und wozu dient eine Patientenverfügung?

Ärzte benötigen für jede Behandlung die Zustimmung des betroffenen Patienten, für die Einleitung einer Therapie genauso wie deren Fortsetzung. Schwerkranke Patienten sind aber oft nicht oder zumindest vorübergehend nicht mehr in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen und zu äußern.

Liegt nun keine Patientenverfügung vor, so gilt die gesetzliche Regelung. Diese findet sich in den §§ 1896 bis 1908i BGB unter der Überschrift „Rechtliche Betreuung“. In der Regel wird folglich ein Betreuer bestellt. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für alte Menschen, sondern in jeden Fall, in dem die Person keine eigene Entscheidung mehr treffen kann, so z. B. auch, wenn jemand nach einem schweren Verkehrsunfall im Koma liegt.

In einer Patientenverfügung kann für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit im Voraus festgelegt werden, ob und wie die ärztliche Behandlung in bestimmten Situationen erfolgen soll. Nicht eine fremde Person (Betreuer) bestimmt über die Behandlung, sondern der Patient selbst. Durch die Patientenverfügung übernimmt er die Verantwortung für seine eigene Behandlung und für ein mögliches Sterben. Die Entscheidung wird keinem anderen zugemutet, nicht einem Arzt, Notar oder Betreuer und auch nicht der Ehefrau, den Kindern oder sonstigen nahen Angehörigen.

Die Patientenverfügung richtet sich in erster Linie an das ärztliche Behandlungsteam. Der Patient nimmt Einfluss auf eine spätere ärztliche Behandlung, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ansprechbar und nicht mehr einwilligungsfähig ist.

Welche Form muss die Patientenverfügung haben?

Es ist Schriftform erforderlich; d. h. die Patientenverfügung muss eigenhändig unterschrieben sein.

Es ist nicht erforderlich, aber empfehlenswert, eine Patientenverfügung in bestimmten Zeitabständen (z. B. alle zwei Jahre) zu erneuern oder zu bestätigen. Wird einem Arzt eine alte Patientenverfügung vorgelegt, so wird er sich fragen, ob dies auch heute noch der wirkliche Wille des Patienten ist. Grundsätzlich ist der Arzt aber auch an diese alte Patientenverfügung gebunden.

Was soll eine Patientenverfügung regeln?

Der Verfügende sollte sich zunächst überlegen, was ihm im Zusammenhang mit Krankheit, Leiden und Tod wichtig ist, wovor er Angst hat und was er sich erhofft. Manche Menschen haben Angst, dass vielleicht nicht mehr alles medizinisch Mögliche für sie getan werden könnte, wenn sie alt oder schwer krank sind. Andere befürchten, dass man sie in solchen Situationen unter Aufbieten aller technischer Möglichkeiten nicht sterben lässt. Schwierig wird das Ganze dadurch, dass in Grenzsituationen des Lebens Voraussagen über das Ergebnis medizinischer Maßnahmen und mögliche Folgeschäden im Einzelfall kaum möglich sind. Es gibt sowohl den Patienten, der nach jahrelangem Wachkoma stirbt, wie auch das Wunder, dass ein Komapatient ohne bleibende Schäden wieder gesund wird.

Eine Patientenverfügung sollte daher möglichst genau beschreiben, welche ärztlichen und/oder pflegerischen Behandlungsmaßnahmen gewünscht werden. Klauseln, wie z. B. „in Würde sterben“ sollten vermieden werden, da sich daraus im Zweifel keinerlei konkrete Behandlungsanweisung für die Ärzte ergeben. Andererseits kann es nützlich sein, wenn die persönlichen Wertvorstellungen, Einstellungen zum eigenen Leben und Sterben und die religiöse Anschauung als Ergänzung und Auslegungshilfe geschildert wird. Dies hilft bei der Ermittlung des mutmaßlichen Willens des Patienten.

Wie sollte eine Patientenverfügung aufgebaut werden?

a.)
Es sollten exemplarisch Situationen geschildert werden, in denen die Patientenverfügung gelten soll.

b.)
Die Patientenverfügung sollte Festlegungen zu Einleitung, Umfang oder Beendigung bestimmter ärztlicher Maßnahmen enthalten.

c.)
Geregelt werden kann der Ort der Behandlung (z. B. wenn irgend möglich, zu Hause) oder wer Beistand leisten soll.

d.)
Die Patientenverfügung sollte Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen, z. B. auf eine Vorsorgevollmacht enthalten oder auf wichtige Unterlagen. Auch Angaben zur Organspende können gemacht werden.

Gibt es Muster für Patientenverfügungen?

Im Internet sind zahlreiche Muster für Patientenverfügungen erhältlich, auch kostenlos. Vom Justizministerium ist eine Broschüre zur Patientenverfügung erhältlich. Nach unserer Ansicht sollte man sich vor der Fertigung einer Patientenverfügung mit dem Thema beschäftigen. Wegen einzelner Weisungen an die behandelnden Ärzte kann es sinnvoll sein, mit seinem Hausarzt Rücksprache zu halten. Ein Musterformular sollte nicht einfach unterschrieben werden. Vielmehr sollte über die Formulierung jeder einzelnen Bestimmung und deren Inhalt nachgedacht werden und diese dem wirklichen Willen des Patienten entsprechend sauber gefasst werden.