Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon nach dem ersten Krankheitstag

Erkrankt ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig, ist er gesetzlich verpflichtet, eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber dann vorzulegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert. Nunmehr hat das LAG Köln (Urteil vom 14.9.2011, 3 Sa 597/11) entschieden, dass der Arbeitgeber die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch schon früher verlangen kann, ohne dafür einen besonderen Anlass zu haben. Nach Ansicht des Gerichts bedarf das Verlangen des Arbeitgebers, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag vorzulegen, weder einer Begründung noch sei die Aufforderung des Arbeitgebers dahingehend zu überprüfen, ob sie „billigem Ermessen“ entspreche. Diese Frage ist in Rechtsprechung und Literatur bisher umstritten. Im vom LAG entschiedenen Fall hatte sich eine Arbeitnehmerin krank gemeldet, nachdem sie vorher vergeblich für diesen Tag eine Dienstreise beantragt hatte. Daraufhin erteilte der Arbeitgeber ihr die Weisung, künftig am ersten Tag einer Krankmeldung ein ärztliches Attest einzuholen und vorzulegen. Die Arbeitnehmerin hielt diese Weisung für rechtswidrig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsfrage ließ das LAG die Revision zum Bundesarbeitsgericht zu.

Von: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Joachim Hofmann

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